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Jugendliche und der Werther-Effekt

Jugendliche und der Werther-Effekt

Was ist der Werther-Effekt und wie ist dieses Thema für Jugendliche noch aktuell? Alles ist zum Goethes Roman “Die Leiden des jungen Werther” zurückzuführen. Den Lernenden wird als Einstieg ins Thema ein Text von der Deutschen Welle präsentiert. Sie lesen den Text – auch als Hausaufgabe vor dem Unterricht – und beantworten die Fragen.

Bei Aufgabe 2 setzen sich die Lernenden mit der Diskussionsfrage auseinander, ob Filme, Bücher oder Fernsehserien wie z.B. „Die Leiden des jungen Werther“ oder „Tote Mädchen lügen nicht“ gefährlich für Jugendliche sind und ihnen verboten werden sollten, indem sie dazu einen argumentativen Text verfassen. Da diese Textsorte kompliziert und den meisten neu sein könnte, wird auch erklärt, wie man einen solchen Text verfasst. Alternativ kann die Frage als Ausgangpunkt für eine Debatte in der Klasse verwendet werden.

Um dieses Thema zu besprechen, haben die Lernenden am besten den Roman schon gelesen. Wenn nicht, finden Sie ein Arbeitsblatt mit wichtigen Auszügen aus “Die Leiden des jungen Werther” (link hier unten).

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Biagio


Deutsch lernen mit “Jugendliche und der Werther-Effekt”

Format: schriftlicher Text
Titel: Der Werther-Effekt: Wenn Selbstmord zum Faszinosum wird (Deutsche Welle, verkürzt)
Niveau: B2/C1
Themen und Wortschatz: Literatur, Sturm und Drang, Liebe, Natur, Selbstmord
Sprachfunktionen: einen Text lesen, einen argumentativen Text schreiben
Grammatik: —



Der Werther-Effekt: Wenn Selbstmord zum Faszinosum wird (Deutsche Welle)

Lies den folgenden Text der Deutschen Welle (verkürzt, den Originaltext findest du hier)

Seit der Antike haben sich literarische und philosophische Texte mit dem Suizid beschäftigt – manchmal mit tödlicher Verführungsgewalt. Setzen Filme und Todesspiele im Internet diese Tradition fort?

Holzstich: Der Medicus an Werthers Leiche
Der Selbstmord von Werther.

Die Realität beeinflusst die Literatur, verändert sie beständig in ihrer Sprache und ihren Formen. Dass  Texte und Bücher umgekehrt aber auch eine ganz direkte Wirkung auf das Leben von Menschen haben können, ist ebenso eine Tatsache. Die ist allerdings im allgemeinen Bewusstsein wenig verankert: Schließlich handelt es sich ja ‘nur’ um Fiktion.

Johann Wolfgang von Goethes Briefroman “Die Leiden des jungen Werther” hatte einen solchen Effekt. In seiner ersten, 1774 noch anonym veröffentlichten Fassung prägte er eine ganze Epoche: Mit Gefühl statt Vernunft und Empfindsamkeit anstelle von Aufklärung erreichte der damals erst 25-jährige Autor eine junge Generation. Das Zeitalter des Sturm und Drang war geboren – und mit ihm eine fast grenzenlose Leidenschaftlichkeit.

Verführung zum Selbstmord

Gemälde Eien Frau liset aus einem Buch, andere hören ihr zu
Ein Bestseller: Gemeinsame Lektüre des “Werther” (1870)

Werther gibt sich einer hoffnungslosen Liebe hin, die ihn in den Selbstmord treibt – schwärmerisch, radikal, an der Welt verzweifelnd. Und ungeheuer berührend. Der fiktionale Suizid löste einen realen Nachahmungseffekt aus: Etwa ein Dutzend junge Menschen sollen sich im Geiste Werthers umgebracht haben. Die Debatte um Goethes Bestseller – der erste der deutschen Literaturgeschichte – wurde äußerst emotional geführt. Der “Werther” verführe junge Menschen zum Selbstmord und untergrabe moralische und religiöse Werte, schimpften die Kritiker. Goethe selbst entschärfte seinen Roman in einer zweiten Fassung von 1787, der Selbstmord sollte weniger attraktiv erscheinen.

Heute sprechen wir vom Werther-Effekt, wenn in Folge eines aus Medien, Literatur oder Film bekannten Selbstmordes vermehrt Suizide geschehen. Die Netflix-Serie “13 Reasons Why”, die auf Deutsch unter dem Titel “Tote Mädchen lügen nicht” läuft, hat dieselbe Diskussion ausgelöst, die schon Goethes Zeitgenossen geführt haben:

Muss man Jugendliche, erst recht labile junge Menschen, besser vor medialen Produkten mit einem hohen Identifikationspotenzial schützen? Ist es moralisch verwerflich, den Weg zum Selbstmord und den Suizid selbst so detailliert, anrührend und aus intensiver Nähe darzustellen? Macht man sich vielleicht sogar im juristischen Sinne schuldig?

Fatale Vorbilder mit Medienwirkung

Ein Mädchen sitzt in der Badewanne
Die Schauspielerin Katherine Langford als Hannah Baker in “13 Reasons Why”

Die Macher der erfolgreichen Serie argumentieren, dass es gefährlicher sei, nicht über Selbstmord zu sprechen, als ihn zum Thema zu machen. Ohnehin sei es in Zeiten des Internets unmöglich, verführerische Angebote, die Jugendliche zum Suizid verleiten, zu unterdrücken. Dass sie damit Recht haben, zeigen traurige Beispiele:  Online-Spiel “Der blaue Wal” soll in Russland bis zu 130 Minderjährige in den Tod getrieben haben, seitdem es 2016 in sozialen Netzwerken auftauchte.

(Text aus https://www.dw.com/de/der-werther-effekt-wenn-selbstmord-zum-faszinosum-wird/a-38882155, verkürzt)


Aufgabe 1

Lies den Text und beantworte die folgenden Fragen:

  1. Kann die Literatur auch die Realität beeinflussen? Was wird im Text behauptet? Bist du damit einverstanden?
  2. Warum war Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“ so erfolgreich?
  3. Was heißt, dass der Roman einen realen Nachahmungseffekt auslöste? Warum wurde der Roman kritisiert? Was versuchte Goethe, in einer zweiten Fassung des Romans zu tun?
  4. Wann sprechen wir heute vom Werther-Effekt? Was haben Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“ und die Fernsehserie „Tote Mädchen lügen nicht“ gemeinsam?
  5. Was behaupten die Macher der Serie? Welches Beispiel nennen sie, um ihre Argumente zu stützen?


Tote Mädchen lügen nicht (13 Reasons Why) – Trailer Deutsch – Netflix

Den Trailer zu der Netflix-Fernsehserie “Tote Mädchen lügen nicht” können Sie sich hier anschauen:


Aufgabe 2

Bild aus morgenpost.de

Eine Argumentation schreiben

Glaubst du, dass Filme, Bücher oder Fernsehserien wie z.B. „Die Leiden des jungen Werther“ oder „Tote Mädchen lügen nicht“ gefährlich für Jugendliche sind und ihnen verboten werden sollen?


Das Ziel einer schriftlichen Argumentation oder Stellungnahme (auch Pro-Contra Erörterung genannt) ist es, den Leser von der eigenen Meinung zu einem bestimmten Thema zu überzeugen.

Deine Argumentation sollte folgenden Aufbau haben:

  1. Einleitung
  2. Hauptteil
  3. Schlussteil


1. Einleitung der Argumentation

In der Einleitung nennst du das Thema, zu dem du eine Stellungnahme verfassen möchtest. Dabei solltest du auf die Aktualität und die Bedeutung des Themas eingehen. Die Einleitung dient dazu, die Aufmerksamkeit des Lesers zu wecken. Außerdem machst du in der Einleitung direkt deutlich, welcher Meinung du zu dem Thema vertrittst.

2. Hauptteil der Argumentation

Im Hauptteil führst du mindestens zwei überzeugende Argumente aus, die du anschaulich mit Beispielen untermauerst. Wichtig ist es, dass du dir die Reihenfolge deiner Argumente genau überlegst. Manchmal kann es besonders wirksam sein, mit dem schwächsten Argument zu beginnen, um mit dem überzeugendsten Argument zu schließen.

Damit dein Text reflektierter ausfällt, kann es sinnvoll sein, den Hauptteil mit einem Gegenargument zu beginnen. Erwähne also auch, dass man dem Thema mit einer anderen Meinung gegenüberstehen kann. Anschließend führst du deine Argumente aus und entkräftest das Gegenargument. So wird deine Stellungnahme besonders überzeugend wirken.

3. Schluss der Argumentation

Am Schluss verfestigst du nochmal deine Meinung, indem du ein Fazit formulierst. Auch kannst du in diesem Teil eine Forderung erheben, die sich aus deiner Argumentation ergibt.

Aus studienkreis.de


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Den Text zum Lesen und die entsprechenden Aufgaben finden Sie im Arbeitsblatt hier.

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Mehr zum Thema

Mehr zum Thema mit dem Arbeitsblatt Die Leiden des Jungen Werther.


Quellen




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